KI im RE

KI im Requirements Engineering

🧠 1. Unterstützung bei der Anforderungserfassung

Anwendung:

  • Sprach- und Texterkennung aus Interviews, Kundenmeetings oder Lastenheften
  • Automatische Extraktion und Umwandlung in Systemanforderungen, Use Cases oder Komponentenanforderungen

Beispiel:

Ein KI-Tool analysiert Kundenanforderungen wie „Das System muss robust gegen Staub sein“ und schlägt automatisch entsprechende Normreferenzen (z. B. IP-Klassen) für die Hardwareanforderung vor.

📑 2. Semantische Analyse technischer Texte

Anwendung:

  • Automatische Ableitung von Anforderungen aus Normen (z. B. ISO 26262, IEC 60601, VDA), Pflichtenheften oder Qualitätsrichtlinien
  • Clustering ähnlicher Anforderungen für Baugruppen oder Subsysteme

Vorteil:

Reduktion manueller Interpretationen und bessere Wiederverwendung standardisierter Anforderungen über Produktgenerationen hinweg.

🧪 3. Plausibilitätsprüfung & Konsistenzanalyse

Anwendung:

  • KI erkennt unvollständige, widersprüchliche oder vage Anforderungen
  • Logische Abhängigkeiten zwischen Hardware-, Software- und mechanischen Anforderungen werden analysiert

Beispiel:

Wenn die Software eine Temperaturregelung vorsieht, prüft die KI, ob entsprechende Sensorik und Aktorik in der Hardware spezifiziert wurden.

🗂️ 4. Klassifizierung & Traceability

Anwendung:

  • Automatische Zuweisung von Anforderungen zu Systemebenen (System / Subsystem / Komponente)
  • Zuweisung zu Disziplinen (Hardware / Software / Mechanik / Elektronik)
  • Zuweisung zu Lebenszyklusphasen (z. B. Entwurf, Test, Betrieb)

Ergebnis:

Mehr Transparenz und bessere Änderungsnachverfolgung (Impact Analysis bei Engineering Changes).

🔗 5. Unterstützung bei Systemarchitektur & Schnittstellendefinition

Anwendung:

  • KI schlägt auf Basis von Anforderungen automatisch mögliche Schnittstellenmodelle oder Architekturvarianten vor
  • Identifikation kritischer technischer Wechselwirkungen (z. B. Timing, EMV, Leistungsbedarf)

♻️ 6. Anforderungswiederverwendung über Produktlinien

Anwendung:

  • Wissensbasierte Wiederverwendung aus ähnlichen Projekten oder Plattformen
  • KI erkennt Gemeinsamkeiten, Unterschiede und notwendige Anpassungen

Beispiel:

Beim Design eines neuen Verstärkers schlägt die KI Anforderungen vor, die aus vorherigen Generationen stammen – angepasst an die neue Plattform.

✅ 7. Prüfbare Anforderungen generieren & verlinken

Anwendung:

  • KI generiert automatisch testbare Anforderungen (z. B. als Given-When-Then für Software, Messgrößen für Hardwaretests)
  • Traceability zur Test-Spezifikation wird automatisiert aufgebaut

🔧 Tools & Technologien, die dafür genutzt werden können:

Bereich Toolbeispiel | NLP / Textanalyse | ChatGPT, IBM Watson NLP, Requino | System-RE | Polarion ALM, Jama Connect, ReqIF.academy | KI-Plattformen | Azure OpenAI + MS Excel / Confluence-Integration | Modellbasiertes RE | Cameo Systems Modeler + NLP Plug-ins

Fazit

In einem komplexen Produktentwicklungsumfeld wie eurem kann KI:

  • den Aufwand im Requirements Engineering deutlich reduzieren,
  • Interdisziplinarität besser abbilden und
  • die Qualität, Rückverfolgbarkeit und Wiederverwendbarkeit von Anforderungen massiv verbessern.

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